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Beschwerde wegen geschlechtsorientierter Diskriminierung gegen Männer | "Skateboard Spot" der Wiener Städtischen Versicherung | April 2022 | Appell

05.04.2022


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Wiener Städtische Versicherung, TV-Film „Skateboard-Tochter“

Hierin sollte strategisch das „Self-Empowerment“ eines Mädchens in einem Skateboardpark thematisiert werden.

Wiederum wird hierbei der begleitende Vater als Bedenkenträger, entscheidungsschwach, demotivierend, zögerlich und hauptsächlich als „Problem-Setup“ dargestellt, der sich in der bloßstellenden „Logik“ des TV-Films am Ende natürlich auch noch den Arm brechen muss (ist ja ein Versicherungsfilm) und sich von der Tochter beim Weggang aus dem Spital dazu auch noch maßregeln lassen muss.

Stellen Sie sich diese Konstellation in vertauschten Rollen vor und ich bin sicher, Sie hätten einen medialen Aufschrei, wie man(n) sich traut, heutzutage in dieser Art und Weise eine Frau und Mutter darzustellen.

Der Verweis auf den vorangegangen TV-Film der gleichen Versicherung mit dem drohenden Verspeisen eines Regenwurms durch einen Burschen in gefühlter Präsenz der Mutter ist unzulässig, da hierbei eine kindliche Selbsterkenntnis ohne Schlechtermachung der Mutter erfolgt. Im Übrigen, bei angewandter Analogie, hätte sich beim Skateboard Film am Ende das ausprobierende Mädchen verletzen müssen, um selbst zu erfahren, daß Spaß auch Risiko beinhalten kann.

(Self-)Empowerment kann ohne diskriminierende Darstellung des Gegenübers stattfinden, sondern durch das alleinige Herausstreichen der jeweiligen Stärken – egal ob Bub oder Mädchen, Frau oder Mann.

Bei all diesen Beispielen genügt eine schneller Gegencheck:

Stellen Sie sich all diese TV Spots in umgekehrte dargestellten Geschlechterrollen vor. Sie hätten einen (sozial) medialen Aufschrei wegen inakzeptabler Darstellung von Frauen/Mädchen.

Wenn es jedoch für Frauen nicht akzeptabel wäre, warum lassen Sie es dann für Männer/Burschen zu?

Mit dieser Männer sexistisch diskriminierenden Darstellung ist einer neutralen m/w/d Opportunitätschance der gesellschaftlichen Gestaltung nicht nur nicht gedient, sondern werden und wurden problematische Ausgangsbedingungen für die Zukunft geschaffen, besonders hinsichtlich männlicher Identitätsfiguren.

Falls die m/w/d Entscheidungsträger der Österreichischen Werbewelt eventuell meinten, dieser seit Jahren feststellbare Pendelschlag gegen die neutrale oder einfach männliche Darstellung sei gerechtfertigt aufgrund der Praxis der Jahre zuvor, so rufe ich einen Ausspruch von Ghandi in Erinnerung: „Aug um Aug läßt die Welt erblinden“.

Stärke hieße, dass die Vorzüge beider Hauptgeschlechter positiv dargestellt werden oder wie es im Talmud zum Nachlesen wäre: „Zwei können drei Mal so viel tragen wie einer“ oder eine.

Es ist höchst an der Zeit, wieder Männer zu zeigen, die entscheidungsstark, selbstbestimmt, vorausschauend handelnd und (gesellschaftlich) aktiv gestaltend zu u.a. beworbenen Produkten greifen, um ihre Konsumentenbedürfnisse zu befriedigen.
Mit Dank und besten Grüßen,

N.N (Vater von 2 Söhnen und von 2 Töchtern)“



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Entscheidung:

Der Österreichische Werberat sieht im Falle der beanstandeten Werbemaßnahme „Freizeitsorgen“ der Wiener Städtischen keinen Grund zum Einschreiten.

Begründung:

Die klare Mehrheit der Werberäte und Werberätinnen spricht sich bei der Werbemaßnahme (TV-Spot) „Freizeitsorgen“ von der Wiener Städtischen für keinen Grund zum Einschreiten aus.

Der TV-Spot unter dem Slogan „Freizeitsorgen – #einesorgeweniger“ zeigt ein Mädchen mit ihrem Vater im Skatepark. Ehe der Vater den Vorschlag ausspricht, woanders hinzugehen, steht das Mädchen auch schon am Skateboard und fährt gekonnt die Halfpipes hinunter. In der Abschlusssequenz findet sich das Mädchen mit ihrem Vater im Krankenhaus, welcher plötzlich einen Gips am Arm trägt.

Eine Geschlechterdiskriminierung zu Lasten von Männern, kann dabei ich nicht erkannt werden. Vielmehr zeigt der Spot eine verantwortungsbewusste Person, die um das Wohl des Mädchens besorgt ist, welches Interesse an einer nicht ungefährlichen Sportart bekundet.

Zudem werden im Spot auch männliche Skateboarder gezeigt und ein Mädchen, das vermeintliche stereotypische Rollen, durch Mut und Behauptung einer oft männlichen dominierten Sportart, aufbrechen lässt.

Eine Verletzung des Ethik-Kodex der Werbewirtschaft kann nicht erkannt werden, da grundlegende Sorgen die Eltern um ihre Kinder haben angesprochen werden - ohne eine Diskriminierung bzw. Unterwerfung eines Geschlechts dabei zu erzeugen. Dass sich der Vater im Rahmen einer humoristischen Pointe der Geschichte verletzt, lässt ebenfalls keine entwürdigende oder diskriminierende Darstellung erkennten. Umso mehr wird nochmals der Mut und die Fähigkeiten von Kindern beleuchtet.

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