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Geschlechterdiskriminierung in Werbung über Mehrwegflaschen

16.03.2020


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Der Clip wurde im ORF ausgestrahlt als Werbung sowie auf deren Website: Siehe hier: https://mehrweg.schaerdinger.at/#video-o ___ Kurze Beschreibung des Werbeclips: Die Tochter unterhält sich mit der Mutter über Plastik im Meer. Darauf bringt die Mutter die Aussage: "Bei uns wird es bald ähnlich ausschauen, wenn der Papa nicht endlich mal den Müll rausbringt" und blickt provokant zu ihrem Ehemann. Der Ehemann ist in der Zwischenzeit vertieft im Lesen: Notiz: Hier werden mehrere negative Geschlechterstereotypen bestätigt: - Der Mann ist ein Familienflüchtling (weg von Frau und Kind) - Der Mann als sozialer Idiot Daraufhin folgt die Aussage: "aber in Zukunft gehen wir sowieso getrennte Wege" Darauf reagiert der Mann verwundert und weiß gar nicht was los ist oder worum es gerade geht - Negativer Stereotyp: Der Mann als sozialer Idiot, Darstellung als Randfigur und eindimensionaler Mann. dann die "Punchline" von der Frau: "statt Einweg Mehrweg, weniger Müll und besser für die Natur." ___ Werte KollegInnen, stellen Sie sich bitte vor, die Rollen wären hier vertauscht und der Mann würde denselben Text seiner Frau sagen. "Bei uns wird es bald ähnlich ausschauen, wenn die Mama nicht endlich mal den Müll rausbringt". Und wenn die Mutter als faul lesend gezeigt wäre, isoliert von der restlichen Familie, vertieft im Lesen. und dann sagt der Mann verschmitzt zur Frau: "aber in Zukunft gehen wir sowieso getrennte Wege," gefolgt von der Atempause und "statt Einweg Mehrweg, weniger Müll und besser für die Natur." Ich denke Sie geben mir hier Recht, dass es hier eindeutig zu einem diskriminierenden Fall kommen würde, der ganz und gar nicht witzig ist. Der Versuch des Humors schlug in diesem Werbeclip wirklich fehl und aufgrund der Tatsache, dass Scheidungen sehr viel Leid sowohl für die Partner als auch für die Kinder verursachen, sollte man hier sehr vorsichtig mit der Thematik umgehen. In diesem Clip ist dies nicht gelungen und so ein Clip dürfte wirklich nicht im Fernsehen erscheinen. Als selbst betroffener (Scheidungskind) weiß ich aus erster Hand, wie schädigend solche passiv aggressiven Anmerkungen sind und wie erletzlich sie sind. Diese Werbung löste bei mir ein großes Unwohlsein aus. Psychische Verletzungen sind mindestens genauso schmerzhaft und vernichtend wie körperliche Übergriffe. Es gibt Gewaltbeziehungen, in denen keinerlei körperliche Gewalt angewendet wird, sondern die Kämpfe ausschließlich auf verbaler Ebene stattfinden. Wobei es immer BEIDE sind, die sich einander bekämpfen. Ich appelliere daher an das sofortige Entfernen dieser Werbung. Mit freundlichen Grüßen


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Entscheidung:

Der Österreichische Werberat sieht im Falle der beanstandeten Werbemaßnahme (TV) der Firma Schärdinger keinen Grund zum Einschreiten.


Begründung:

Das beanstandete Sujet zeigt eine alltägliche Familienszene. Die Tochter spricht mit ihrer Mutter über Plastik im Ozean, während die Mutter ihr ein Glas Milch einschenkt und auf die ökologischen Vorteile von Mehrwegflaschen hinweist. Anschließend wird der Familienvater in das Gespräch eingebunden, indem seine Frau ihn daran erinnert, dass er sich noch um den Müll zu kümmern habe. Sie verwendet in diesem Zusammenhang die Formulierung „aber bald gehen wir sowieso getrennte Wege“. Schnell wird klar, dass sich diese Aussage nicht auf die Auflösung ihrer Ehe, sondern auf den Einsatz von Mehrweg- anstatt Einwegflaschen bezieht. Der Vorhalt, dass es sich hierbei um eine geschlechterdiskriminierende Darstellung handelt, kann vom Großteil der Werberäte und Werberätinnen nicht nachvollzogen werden. Die absolute Mehrheit betrachtet den Spot aufgrund der klar erkennbaren humoristischen Überzeichnung als unproblematisch und spricht sich für keinen Grund zum Einschreiten aus.


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