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ÖBB-Kampagne-Sicherheit-diskriminiert

28.10.2019


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Sehr geehrte Damen und Herren vom Werberat! „Selbstbestimmt Leben Österreich“ beschwert sich über die an Bahnhöfen und über Medien verbreiteten Plakate der ÖBB im Rahmen ihrer Kampagne www.passaufdichauf.at . Die ÖBB-Kampagne über die Gefahren an Bahnanlagen verwendet aktuell Menschen mit Behinderungen auf Plakaten zur Abschreckung. Bilder von Menschen mit Behinderungen werden mit Texten wie „Abkürzungen über Bahngeleise sind lebensgefährlich“ verbunden. Es wird eine bildliche Verbindung von Menschen mit Behinderungen mit der Zuschreibung von verantwortungslosem, selbst- und fremdschädigendem Verhalten hergestellt, das in Verletzung und Behinderung münden kann. Es wird ein klassisches Vorurteil bedient, dass behinderte Menschen selbst schuld sind an ihrer Behinderung, und schuld daran, dass Kosten für das Gesundheits- und Rehabilitationswesen und das Sozialsystem entstehen. Die abschreckende Wirkung, dass Menschen mit Behinderungen als Opfer von eigenem Fehlverhalten vorgeführt werden, ist grundsätzlich zu bezweifeln. Wir gehen davon aus, dass die Plakat-Kampagne weder Jugendliche – die die Zielgruppe der Plakat-Kampagne sein sollen - vor gefährlichem Handeln abhält, noch Sicherheit erhöht. Die größere Wirkung ist in der Erhöhung von problematischen Zuschreibungen gegenüber Menschen mit Behinderungen zu sehen. Wir möchten noch anmerken, dass wir in der Plakat-Kampagne nicht nur eine reine Aufklärungskampagne sehen. Die Kampagne ist auch ÖBB-Werbung. Die Botschaft ist ja auch, dass die ÖBB hohe Verantwortung zeigt. Die Plakate werden an Bahnhöfen und z.B. auf ORF-online wie Werbung verbreitet. Zielgruppe sind nicht nur Jugendliche, deren Verhalten über abschreckende Bilder beeinflusst werden sollen, natürlich sind auch unvermeidbar alle Eltern, Großeltern, Verwandten usw., also alle Menschen angesprochen. Es wird ein typisches Vorurteil von Erwachsenen gegenüber Jugendlichen und Jugendkulturen bestärkt, das davon ausgeht, dass Jugendliche verantwortungslos sind und dazu neigen, Regeln zu brechen. Wie Jugendliche in u.U. schwierigen psychischen Situationen oder sozialen Lagen auf derartige plakatierte Zuschreibungen reagieren, das ist sehr die Frage. Das Bemühen der ÖBB, gegen Unfälle und Leichtsinn anzukämpfen, anzuerkennen wir vollständig, es ist aber in dieser Plakat-Kampagne falsch umgesetzt, verstärkt Vorurteile und diskriminiert Menschen mit Behinderungen. SLIÖ fordert die laufende Plakat-Kampagne sofort einzustellen und durch andere Informations- und Werbestrategien zu ersetzen. SLIÖ bittet den Werberat, zu der beschriebenen Plakat-Kampagne der ÖBB öffentlich Stellung zu nehmen. Mit freundlichen Grüßen


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Das Unternehmen hat nach der Kontaktaufnahme seitens des ÖWR reagiert und das beanstandete Sujet zurückgezogen. Dieses wird in Zukunft nicht mehr verwendet.

Das Beschwerdeverfahren des ÖWR  sieht bei einer Rücknahme einer beanstandeten Werbemaßnahme durch das Unternehmen keine weitere Behandlung der Beschwerde vor. Das Verfahren ist hiermit abgeschlossen.

Der Österreichische Werberat dankt dem Unternehmen für die rasche Umsetzung und Kooperation.

Nachstehend die Stellungnahme des Unternehmens:

Da die Darstellung aber in der aktuellen Form gem. dem Ethik-Kodex anscheinend als Grenzfall zu werten ist, werden wir umgehend mit dem österreichischen Behindertenrat das Gespräch suchen, um die fallweise negative Einschätzung entsprechend zu verstehen und damit auch besser in der werblichen Umsetzung darauf Rücksicht nehmen zu können.

Nochmals außerordentlich betonen möchten wir, dass uns Menschen mit Behinderung wichtig sind und es in keinster Weise beabsichtigt war, diese mit der Aussage der Werbesujets zu diskriminieren. Die Kampagne „Pass auf dich auf“ wird daher mit heutigem Tag (31.10.2019) in den kommerziellen Medien eingestellt und von einem zweiten geplanten Kampagnenflight in dieser Form wird abgesehen. Auf der Website der ÖBB Infrastruktur ist die Kampagne in abgeänderter Form weiterhin präsent. Eine generelle Anpassung der Sujets wird nach dem Gespräch mit dem österreichischen Behindertenrat evaluiert.


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